Nachbericht RE vor Ort: Höhr-Grenzhausen

RE vor Ort: Selters, 28.05.2014

Nachbericht:

Ressourceneffizienz in der Kunststoffwirtschaft – Innovationen gefragt!

Um Unternehmen Anregungen für konkrete, praktikable und lohnende Ressourceneffizienzmaßnahmen im Betrieb zu vermitteln, hatte das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem bundesweiten Netzwerk Ressourceneffizienz (NeRess) zu einer Nachmittagsveranstaltung nach Selters eingeladen. Weitere Kooperationspartner der Fachveranstaltung waren die Universität Koblenz-Landau und das Technologie-Institut für Funktionale Kunststoffe und Oberflächen GmbH (tifko), das IMKK Innovationscluster Metall-Keramik-Kunststoff und die BKV GmbH – Plattform für Kunststoff und Verwertung. Die knapp 100 Teilnehmer  der Veranstaltung „Ressourceneffiziente Kunststoffwirtschaft“ wurden in den Räumlichkeiten der SCHÜTZ GmbH & Co. KGaA, der größten Produktionsfirma im Westerwald, willkommen geheißen.

Hochrangig wurde durch die Wirtschaftsministerin Eveline Lemke eröffnet. Sie stellte in ihrem Eingangsstatement fest, dass Ressourceneffizienz seit einigen Jahren im Hinblick auf die zu erwartenden Unsicherheiten bei der Ressourcenbeschaffung für Unternehmen eine große Rolle spielt.

Gastgeber Roland Straßburger von der Firma SCHÜTZ stellte den „SCHÜTZ TICKET SERVICE“ für Intermediate Bulk Container (IBC) als Beispiel für nachhaltige, bewährte und ökologisch sinnvolle Rekonditionierung von Kunststoffverpackungen vor. „Im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsprogramms werden Ressourceneffizienzpotentiale identifiziert und in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess genutzt.“, betonte Straßburger. 

Auf das enorme Entwicklungs- und Innovationspotenzial, welches im Bereich Ressourceneffizienz und insbesondere bei der stofflichen Verwertung anfallender Kunststoffabfälle besteht, wies Prof. Dr. Silke Rathgeber von der Universität Koblenz/Landau und  tifko hin. „Derzeit werden in Deutschland nur ca. 33 % der sog. Post-Consumer Kunststoffabfälle einer stofflichen Verwertung zugeführt; in ca. 66 % findet eine energetische Verwertung statt, zeigte Christoph Lindner von der CONSULTIC Marketing & Industrieberatung GmbH, Alzenau auf. Um eine intelligente Gesamtlösung für die Kunststoffbranche zu finden, regt er einen „Runden Tisch“ an, bei dem alle an der Wertstoffkette Beteiligten eingebunden werden sollten.

„Materialkosten stellen mit 45 % den größten Kostenblock im verarbeitenden Gewerbe dar (Personalkosten 17 %, Energiekosten 2 %).“ erklärte Dörte Ratzmann von der VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH/Berlin. Sie zeigte konkrete Ansätze zur Steigerung der Ressourceneffizienz im Sinne der Material- und Energieeffizienz bei der Produktentwicklung, im Produktionsprozess und im Umfeld der Produktion auf und wies auf die Unterstützungsangebote durch den VDI ZRE hin. Dazu gehören einfach handhabbare Ressourcenchecks, Filmbeiträge oder ein Materialflusskostenrechner.

Positive Praxisbeispiele, wie unter anderem innovative Lösungen zur Energieeinsparung oder die effiziente Verwertung von vermischten Kunststoffen zu hochwertigen Granulaten,  wurden anschaulich von Unternehmensvertretern vorgestellt. So berichtete Dr. Jens Hamprecht von der BASF SE Ludwigshafen den positiven Einfluss von Tüten aus bioabbaubaren Kunststoffen für die effiziente Bioabfallsammlung auf. Es konnte nachgewiesen werden, dass diese speziellen Tüten im Rahmen unterschiedlicher Verfahren zur Kompostherstellung vollständig zersetzt werden. Reinhold Bengsch von der Wayand AG/Idar-Oberstein, zeigte wie die erfolgreiche Teilnahme am Landesprojekt „EffCheck – PIUS-Analysen in Rheinland-Pfalz“  geholfen hat, verschiedene profitable Maßnahmen zur Energieeinsparung zu identifizieren und die Grundlage für die Einführung eines Energiemanagementsystems nach DIN ISO 50 001 zu legen.

Eine anschließende Werksbesichtigung der SCHÜTZ GmbH & Co. KGaA in Selters rundete die gelungene und informative Veranstaltung ab.

Mit der bundesweiten Veranstaltungsreihe „Ressourceneffizienz vor Ort“ sollen Unternehmen auf regionaler Ebene angesprochen werden und konkrete Impulse für die betriebliche Praxis erhalten. Zudem bieten die Veranstaltungen die Möglichkeit, sich regional noch stärker mit anderen Akteuren in Sachen Ressourceneffizienz zu vernetzen.

Fotos: Anna Schneider