Andernach 9.11.2017
Bilder: VDI ZRE

Nachbericht RE vor Ort in Andernach am 9.11.2017

Nach 2013 führte das Netzwerk Ressourceneffizienz am 9.11.2017 ein weiteres Mal eine Ressourceneffizienz vor Ort-Veranstaltung im thyssenkrupp Werk Rasselstein in Andernach durch. Zum Thema Herausforderung Energie- und Ressourceneffizienz kamen knapp 50 Teilnehmende in das Weißblechwerk am Rhein. Mitveranstalter waren der VDI Bezirksverein Mittelrhein und das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz.

Oliver Hoffmann, Vorstand Technik, thyssenkrupp Rasselstein GmbH und Dr. Meinolf Gerstkamp, VDI Vorsitzender Landesverband Rheinland-Pfalz, begrüßten die knapp 50 Teilnehmer.

„Durch die Steigerung der Ressourceneffizienz können wir unser Klima schützen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Weltklimakonferenz in Bonn wird deutlich: Beim Thema Ressourcenverbrauch ist eine aktuelle Trendumkehr notwendig – zum Schutz unserer Umwelt und unseres Klimas“, sagte Umweltstaatssekretär Dr. Thomas Griese in seinem Grußwort.

Werner Maass vom VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH stellte in seinem Vortrag den Status quo und die Zukunftsperspektive der Ressourceneffizienz vor. Ressourceneffizienz sei die Antwort Deutschlands auf die strukturellen Veränderungen beim weltweiten Anteil des verarbeitenden Gewerbes und die Kostenstruktur der Unternehmen, so Maass.

thyssenkrupp Rasselstein verbraucht 1,3 Terrawattstunden Energie pro Jahr. Daher ist ein kontinuierliches Energiecontrolling und Energiemanagement von zentraler Bedeutung für das Unternehmen. Bei den innerbetrieblichen Maßnahmen zur Energieeffizienz besteht laut Peter Müllers, Energiemanager beim Gastgeberunternehmen, eine permanente Zieldualität. Es gilt physikalische und wirtschaftliche Grenzen sowie Prozessveränderungen aufgrund qualitativer Aspekte gegeneinander abzuwägen. Die jüngst umgesetzten Maßnahmen sprechen für sich: Durch Vermeiden von Überdimensionierung, d.h. Anpassung des Druckniveaus des Hydrauliksystems, konnten knapp 500 MWh pro Jahr gespart werden. Mittels Schaffung von Transparenz beim Brauchwasserverbrauch konnte der Bedarf in Abhängigkeit vom produzierten Material individuell geregelt werden und somit um 250.000 Kubikmeter pro Jahr gesenkt werden. Durch einen effizienteren Hafenkran, der dem aktuellen Stand der Technik entspricht, können jährlich 120 MWh Strom gespart werden.

Unter dem Motto „So einfach können Betriebe Energie, Rohstoffe und Kosten sparen“ stellte Robert Weicht vom Landesamt für Umwelt in Rheinland-Pfalz das Landesförderprogramm EffCheck vor. Knapp 190 EffCheck-Projekte sind in rheinland-pfälzischen Betrieben bisher abgeschlossen. Eine Evaluierung von rund einem Viertel davon zeigt sehr hohe Zufriedenheit der beteiligten Unternehmen und eine herausragende Umsetzungsrate der im Rahmen der Beratung identifizierten Potentiale. Über 70% der vorgeschlagenen Maßnahmen werden innerhalb von zwei Jahren nach der Beratung umgesetzt. Die Unternehmen können damit durchschnittlich Einsparungen pro Jahr in fünfstelliger Höhe erreichen.

Dr. Olaf Kropp, SAM Sonderabfall-Management-Gesellschaft Rheinland-Pfalz mbH stellte die aktuellen Neuerungen aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz vor, insbesondere die neuen Regelungen zu Gewerbeabfällen waren für die Teilnehmenden von besonderer Bedeutung.

Abschließend hatten die Teilnehmer noch Gelegenheit im Rahmen einer etwa 1,5 stündigen Werksführung das weitläufige Firmengelände und insbesondere die beiden Kaltwalzstraßen hautnah zu erleben: Aus dem Vorprodukt Warmband mit einer Dicke von 3 Millimetern, angeliefert als Coil mit einem Gewicht von ca. 22 Tonnen pro Stück, werden über mehrere Verarbeitungsschritte Verpackungsstahl für Dosen mit einer Dicke von 0,1-0,3 Millimetern hergestellt.
Hierbei wurde deutlich, warum das Unternehmen einen Energiekostenanteil von über 50 Prozent an ihren Gesamtkosten hat.