Die neue EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) soll Produkte langlebiger, reparierbarer und ressourcenschonender machen. Was das konkret für Unternehmen bedeutet und wie Normung und Forschung dabei helfen, Fanni Florian, Projektmanagerin Strategische Entwicklung Nachhaltigkeit bei DIN, Anna Trawnitschek, Gesamtprojektleitung EPD-Programm bei DIN Media und Dr. Moritz-Caspar Schlegel, Koordinator Circular Economy an der BAM, im Interview.
Welche Chancen und Herausforderungen bringt die neue Ökodesign-Verordnung?
Fanni Florian: Für viele Unternehmen ist die ESPR erstmal ein großer Schritt. Insbesondere in den Bereichen, die bisher von der Ökodesign-Richtlinie nicht reguliert wurden, gibt es nun einen erhöhten Anpassungsdruck. Viele der Anforderungen sind bisher für die jeweiligen Produktgruppen technisch noch nicht beschrieben worden, die konkrete Ausgestaltung ist damit noch Aufgabe der an der Normung beteiligten Stakeholder.
Gleichzeitig ist genau das aber auch eine Chance. Wer früh dabei ist, kann diese Normen aktiv mitgestalten und sicherstellen, dass die Anforderungen fachlich sinnvoll und praxistauglich werden. Die ESPR eröffnet europäischen Unternehmen also die Möglichkeit, sich als Vorreiter für nachhaltige und zukunftsfähige Produktgestaltung zu positionieren.
Anna Trawnitschek: Die Verordnung schafft europaweit einheitliche Mindeststandards – und das stärkt den Markt für hochwertige Produkte. Deutsche Unternehmen sind in Bereichen wie Recyclingfähigkeit, Langlebigkeit oder Reparierbarkeit traditionell gut aufgestellt. Produkte, die diesen Anforderungen der EU-Kommission und der harmonisierten Normen nicht erfüllen, dürfen auf dem europäischen Markt nicht in Verkehr gebracht werden. Ein einheitlicher Standard hilft Verbraucherinnen und Verbrauchern dabei, leichter nachhaltige Entscheidungen zu treffen, und schützt auch die nationale Wirtschaft von minderwertigen Produkten aus dem Niedrigpreissegment.
Moritz-Caspar Schlegel (BAM): Aus Forschungsperspektive verändert die ESPR den Blick auf Produkteffizienz deutlich. Der Rechtsrahmen hatte Anforderungen an die Material- und Ressourceneffizienz in der Vergangenheit zwar bereits vorgesehen, jedoch kaum umgesetzt. Bisher ging es vor allem um effiziente Energienutzung, Aspekte wie Anforderungen an den Wasserverbrauch, Funktionsbeständig- oder Langlebigkeit bildeten bislang die Ausnahme. Für viele Produktgruppen fehlen dafür noch Daten und Bewertungsmethoden. Aber genau darin liegt eine große Chance für Unternehmen. Denn sie verfügen über das technische Wissen und Datengrundlagen, auf die die EU angewiesen ist. Wer sich einbringt, kann die Regulierung so mitgestalten, dass sie für europäische Unternehmen tatsächlich machbar ist.