Nachbericht zur Konferenz des Netzwerks Ressourceneffizienz 2026

„Digitalisierung als Treiber der Circular Economy – Voraussetzungen, Datenökosysteme und Technologien"

Am 19. Mai 2026 fand die Konferenz des Netzwerks Ressourceneffizienz unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) statt. Mehr als 200 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung diskutierten, wie Digitalisierung als zentraler Hebel für die Circular Economy genutzt werden kann. Vor Ort nahmen circa 130 Personen im Lichthof des BMUKN an der Veranstaltung teil, weitere rund 120 via Online-Livestream.

Thematisch umspannte die Konferenz Voraussetzungen, Herausforderungen und Gute-Praxisbeispiele für die Nutzung digitaler Technologien, die aus Sicht von Unternehmen, Start-ups, Politik und Zivilgesellschaft relevant sind, um die Digitalisierung als einen zentralen Hebel für die Umsetzung der Circular Economy nutzen zu können. Dazu gehörten Fragen zu organisatorisch-technischen Voraussetzungen der digitalen Transformation ebenso wie die Themen „Digitale Produktpässe“, „Datenräume“ und „Interoperabilität als Grundlage von Innovationen für eine digitale Circular Economy“.

© VDI ZRE/Bernd Lammel
In seiner Einführung machte Dr. Martin Vogt, Bereichsleiter Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und Werkstoffe bei der VDI Technologiezentrum GmbH, deutlich: Die digitale Transformation und die Circular Economy sind heute gemeinsame Resilienz- und Souveränitätsstrategien. Datenverfügbarkeit, Datengovernance sowie ökonomische und ökologische Mehrwerte der Nutzung digitaler Technologien sind zentrale Themen dieser Transformation.

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Die parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz zentrale politische Themen seien, da sie sowohl wirtschaftliches Wachstum als auch strategische Souveränität ermöglichten. So zeige ein Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des BDI, dass bis zum Jahre 2045 bis zu 20 Prozent strategisch relevanter Rohstoffimporte durch Kreislaufwirtschaft ersetzt werden könnten. Die Digitalisierung sei dabei ein wichtiger Hebel, um Produktionsprozesse resilienter, nachhaltiger und transparenter zu gestalten sowie Kosten zu senken. Informationen zu Schadstoffen, Gefahren in Recyclinganlagen und anderen relevanten Parametern könnten über digitale Technologien teilweise in Echtzeit bereitgestellt werden – und darüber die Qualität und Robustheit von Entscheidungen erheblich verbessern.

Um als Hebel wirken zu können, müssten jedoch im Vorfeld relevante Aspekte wie Datensouveränität und Datensicherheit sowie Finanzierung und Kompetenzen für die Nutzung digitaler Technologien geklärt werden. So sei die Frage, wie Unternehmen Daten so nutzen können, dass sie diese ohne spezielle, kostspielige Software verwerten können, auch eine Frage der Datensouveränität.   Zentrale Hemmnisse waren aus ihrer Sicht des Weiteren fehlende Fachkräfte und Fachwissen, fehlende Finanzierung, mangelnde Nachrüstbarkeit von Anlagen, fehlende Partnerschaften sowie eine lückenhafte Breitbandinfrastruktur. 

Im Hinblick auf Kompetenzerwerb und finanzielle Unterstützung für den Mittelstand verwies die Parlamentarische Staatssekretärin auf den Green AI Hub-Mittelstand (GAIH), der mittels wissenschaftlich begleiteter Pilotprojekte KMU den Zugang zu KI-gestützten Lösungen ermöglicht. Vierzehn der im Rahmen des GAIH bereits umgesetzten Pilotprojekte hätten das Potenzial, mehr als 300 Tonnen CO₂ pro Jahr einzusparen. 

Für die Vernetzung zwischen den Unternehmen spielt die Datensicherheit eine große Rolle – der Digitale Produktpass (DPP) könne hier helfen. Unternehmen sollen bei der Einführung und Nutzung von DPP über die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) im Rahmen einer Digitalisierungsinitiative zur Schließung von Stoffkreisläufen unterstützt werden, indem ein Kompetenzzentrum für DPP aufgebaut werde. 

 

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Die erste Session „Leadership, Change Management und Kompetenzerwerb für die digitale Circular Economy“ widmete sich den menschlichen und organisatorischen Voraussetzungen einer digitalen Circular Economy. Vertreterinnen verschiedener Initiativen und Organisationen aus dem Bereich Circular Economy, digitale Transformation und Mittelstandsunterstützung diskutierten gemeinsam, was eine digitale Circular Economy ausmacht und welche Kompetenzen sowie welche Führungskultur es dafür braucht.

Aus der Praxissicht von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wurde deutlich, dass der Blick zunehmend in Richtung Wertschöpfungsnetzwerke geht. Es geht nicht mehr nur darum, den Datenfluss innerhalb des eigenen Unternehmens zu optimieren, sondern auch eine gemeinsame Datensprache mit anderen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zu etablieren. Dafür braucht es Standards und eine klare Bereitschaft zum Datenaustausch, die über Unternehmensgrenzen hinaus reicht. 

Die These, dass Circular Economy ohne Digitalisierung nicht funktioniert, wurde durch die Gegenthese ergänzt, dass auch Digitalisierung auf Circular Economy angewiesen ist: Große Rohstoffabhängigkeiten in der Digitalisierungsindustrie, beispielsweise beim Quantencomputing, machen deutlich, dass zirkuläres Wirtschaften von Anfang an mitgedacht werden muss, um Rohstoffbedarfe auch zirkulär decken und Abhängigkeiten reduzieren zu können.

Ein zentrales Thema war die Frage, wie Unternehmen das Thema Circular Economy strategisch verankern, anstatt es nur als Compliance- und Kostenthema zu behandeln. Vielfach werde der Innovationscharakter der Kreislaufwirtschaft übersehen. Dabei eröffne sie völlig neue Geschäftsmodelle: Ein exemplarisch vorgestellter Rucksackhersteller hatte mithilfe eines QR-Codes einen digitalen Austausch mit Konsumentinnen und Konsumenten aufgebaut, um zu verstehen, wie das Produkt nach dem Kauf genutzt und weitergegeben wird. Aus diesem Wissen entstand ein neues Rücknahme- und Second-Life-Geschäftsmodell. Ähnlich verhält es sich mit einem Bürstenhersteller, der Produktionsreste als Räucherchips für das Grillen vermarktet – ein Beispiel, wie Kreislaufwirtschaft aus bereits vorhandenen Ressourcen neue Wertschöpfung generiert.

Die Diskussion machte auch deutlich, dass Kompetenzen nicht durch einmalige Schulungen entstehen, sondern durch das Erproben konkreter Lösungen in Lernräumen, in denen Mitarbeitende mit konkreten Problemstellungen beteiligt werden und auch Fehler machen dürfen. Das Prinzip „Ins Tun kommen" wurde als zentraler Erfolgsfaktor identifiziert. Jede einzelne Person in einem Unternehmen, z. B. im Einkauf, kann Innovationen treiben und Kreislaufgedanken mitdenken. Durch Digitalisierung und KI verändern sich Rollen und Berufsbilder grundlegend. Hieraus entstehen Chancen, aber auch Herausforderungen. Der Einkauf etwa könnte künftig stärker auf Nachhaltigkeitskriterien achten, wenn entsprechende Daten verfügbar wären, wodurch sich neue Entscheidungsgrundlagen jenseits des reinen Preisvergleichs eröffneten.

Kernaussagen der Session 1:

  • Circular Economy (CE) und Digitalisierung sind wechselseitig aufeinander angewiesen: CE braucht Daten und Digitalisierung – und Digitalisierung braucht CE für eine resiliente Rohstoffversorgung.
  • Kompetenzen entstehen durch Tun: Mitarbeitende müssen in Lernräumen mit eigenen Problemstellungen Lösungen erproben, Fehler machen dürfen und Teil der Transformation werden.
  • CE ist Innovationsthema, nicht nur Compliance: Unternehmen, die diesen Charakter erkennen, entwickeln neue Geschäftsmodelle statt das Thema als regulatorische Last zu begreifen.

Session 2 „Initiativen der Wirtschaft zur Digitalisierung von Wertschöpfungsketten und Bedeutung von Datenräumen“ rückte Datenökosysteme und die Frage des Datenteilens in den Mittelpunkt. Im Fokus stand, wie Datenräume und Standards die Grundlage für eine digitale Circular Economy schaffen können und welche Initiativen aus der Wirtschaft dazu beitragen.

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Eingeleitet wurde die Session durch einen Impulsvortrag mit einer zentralen These: Kreislaufwirtschaft ist kein Materialthema, sondern ein Informationsthema. Digitale Produktpässe und Digitalisierung seien daher essenzielle Erfolgsfaktoren für die Circular Economy. Es fehle jedoch an flächendeckender Umsetzung. Das liege unter anderem daran, dass einerseits eine gemeinsame Orientierung und eine gemeinsame Sprache in Wertschöpfungsnetzwerken fehle, andererseits, weil Governancefragen rund um Vertrauen und Regeln für die Datennutzung ungeklärt seien. Vor diesem Hintergrund wurde die Fähigkeit zum Datenaustausch als Kernkompetenz nachhaltigen Wirtschaftens bezeichnet. Dazu brauche es neben einem funktionierenden Rechtsrahmen, wie der EU-Ökodesignverordnung ESPR, globale Standards für den DPP durch internationale Normierungsgremien.

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Die anschließende Paneldiskussion vertiefte diese Themen. Das vom Wuppertal Institut entwickelte Circular Economy Information System (CEIS) wurde als Zielbild für einen Transformationsprozess beschrieben. Hierbei handelt es sich nicht um ein statisches System, sondern um ein wachsendes, lernfähiges Verbindungselement, vergleichbar mit einem „Internet der Kreislaufwirtschaft". Interoperabilität wurde als zentrales „Zauberwort“ identifiziert: Es braucht nicht zwingend dieselbe Infrastruktur, wohl aber dieselbe Sprache und Struktur auf semantischer Ebene. Manufacturing-X und die Verwaltungsschale wurden als bestehende Ansätze genannt, die diesen Anspruch verkörpern. Dabei wurde betont, dass Standards offen gegenüber sektorspezifischen Erweiterungen sein müssen, um branchenübergreifend funktionieren zu können.

Ein konkretes Praxisbeispiel zeigte, dass die Einführung des DPP in Unternehmen interne Daten-Hubs als wertvollen Nebeneffekt hervorbringt. Die überraschende Erkenntnis in einem Demonstrator-Projekt lag nicht nur im Nachhaltigkeitsnachweis, sondern im Entstehen einer neuen Art digitaler Kundenbeziehung: Ein sogenanntes „sprechendes Produkt" konnte mittels KI Fragen beantworten und weit über klassische Bots im Online-Handel hinausgehen. Das zeigt, dass der Mehrwert des DPP nicht nur regulatorischer Natur ist, sondern neue Geschäftsmodelle und Kundenerlebnisse ermöglichen kann.

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Für die Textilindustrie wurde die spezifische Herausforderung diskutiert, dass der DPP dort oft noch nicht als strategisches Instrument, sondern als mögliche Compliance-Pflicht wahrgenommen wird. Gleichzeitig könnte er bestehende, kostspielige Zertifizierungssysteme ersetzen und damit erhebliche Effizienzgewinne bringen. Unternehmen, die den DPP als Treiber für mehr Transparenz, Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierung begreifen, könnten einen Kipppunkt erreichen, von dem aus die Verbreitung schnell skaliert. Für den Kick-off eines internationalen Normierungsgremiums zum DPP ist Herbst 2026 vorgesehen.

 

 

Kernaussagen der Session 2:

  • CE ist ein Informationsthema: Datenräume, Interoperabilität und harmonisierte Standards sind essenziell – der Rechtsrahmen allein reicht nicht aus.
  • Der DPP ist keine Berichtspflicht, sondern digitale Infrastruktur: Er ermöglicht neue Geschäftsmodelle, interne Daten-Hubs und neuartige Kundenbeziehungen.
  • Ein gemeinsames „Internet der Kreislaufwirtschaft“ basierend auf Interoperabilität und offenen Standards als lernfähiger Prozess, der niemandem gehört, aber allen nutzt.

Session 3 “Betriebliche Erfolgsbeispiele einer digitalen Circular Economy“ präsentierte konkrete Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen. Die Bandbreite der vorgestellten Ansätze reichte von der KI-gestützten Reparatur von Fahrrad-Akkus über die digitale Kreislaufführung von Mehrweg-Containern in der Chemieindustrie bis hin zu vernetzten Lösungen für die Entsorgungsbranche.

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Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Bereich Fahrrad-Akkus präsentierte einen eindrucksvollen Anwendungsfall: Seit 2013 hat das Unternehmen über 1.000 verschiedene Batteriemodelle digital und in einer Datenbank erfasst. Mittels KI-gestützter Bilderkennung können Akkus fotografiert und automatisch identifiziert werden. Das System zeigt daraufhin an, ob und wo Materialbedarf besteht, und stellt Anleitungen zur sicheren Zerlegung bereit – auch für Mitarbeitende auf Recyclinghöfen. Kunststoffteile werden nach Arten sortiert und können zu neuen Zellgehäusen umgegossen werden und schaffen so echte Kreisläufe auf Materialebene. Ein weiterer Meilenstein: Durch digital abgelegte Informationen und einen behördlich kontrollierten Prozess der Aufbereitung konnte das Abfallende für aufbereitete Batterien erklärt werden, wodurch deren Rückführung in den Markt ermöglicht wird. Netzwerke und enger Austausch mit regionalen Behörden wurden hierfür als entscheidende Erfolgsfaktoren hervorgehoben.

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Ein Software-as-a-Service-Unternehmen für die Chemieindustrie stellte seinen Ansatz zur digitalen Kreislaufführung von Mehrweg-Containern vor. Das Ausgangsproblem: Millionen von Containern gehen verloren, stehen ungenutzt herum oder können nicht effizient zurückgeführt werden. Die Lösung: Jeder Container erhält einen digitalen Zwilling, ausgestattet mit einem Radarsensor (Smart Cap), der Daten zu Füllstand, Ort und Nutzungsdauer liefert. Damit wird der gesamte Kreislauf von Abfüllung über Kundschaft bis zur Rekonditionierung und zurück sicht- und steuerbar. In einem gemeinsamen Projekt mit einem Farb- und Lackhersteller konnte die Wiederbeschaffungszeit auf diese Weise um 60 Prozent reduziert, der Lagerbestand um 40 Prozent gesenkt und der administrative Aufwand um 10 Prozent verringert werden. Als Erfolgsfaktor wurde klar benannt: Pilotprojekte sind der Schlüssel. Sobald Unternehmen die konkreten Zahlen auf dem Tisch haben, ist der Mehrwert evident und die digitale Lösung nicht mehr wegzudenken. Das Unternehmen expandiert aktuell in den US-amerikanischen Markt, da hier die Offenheit für solche Lösungen besonders hoch ist.

 

 

 

 

 

 

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Ein Netzwerk für privatwirtschaftliche Entsorgungs- und Recyclingunternehmen berichtete im Anschluss über vielfältige Anwendungsbeispiele von KI in der Entsorgungsbranche: von der automatischen Umwandlung von Auftrags-E-Mails in digitale Bestellungen über die KI-gestützte Erkennung wiederverkaufbarer Produkte im Sperrmüll bis hin zur Röntgenscannertechnologie für eine zuverlässige Erkennung von Akkus in Abfallströmen, um Brände in Recyclinganlagen signifikant zu reduzieren. Die Kernerkenntnisse hieraus: KI bietet Nutzen über die gesamte Wertschöpfungskette, Pioniere profitieren bereits und Netzwerke beschleunigen die Diffusion solcher Lösungen.

 

Kernaussagen der Session 3:

  • Digitale Technologien schaffen messbaren betrieblichen Mehrwert: Effizienzgewinne bis zu 60 Prozent und neue Geschäftsmodelle belegen das Potenzial konkret und praxisnah.
  • Pilotprojekte sind der entscheidende Katalysator: Es gilt, konkrete Zahlen überzeugen. Die Bereitschaft, in Pilotprojekte einzusteigen, ist dabei der wichtigste erste Schritt.
  • Netzwerke sind struktureller Erfolgsfaktor: Branchenübergreifende Kooperationen und Behördenpartnerschaften sind oft Voraussetzung für die Entstehung und Skalierung von Innovationen.

Session 4 „Branchenfokus: Intelligente Stoffströme als Schlüssel der Circular Economy“ beleuchtete Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung und KI in der Entsorgungsbranche.

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Eingeleitet wurde die Session durch einen Impulsvortrag zu den Erfahrungen vom Digital KI Summit 2026 des bvse zu KI-Anwendungsfeldern für die Recycling-, Sekundärrohstoff- und Entsorgungsbranche. Im Ergebnis des Summits und dort getätigter Befragungen schreitet die KI-Integration voran, oft getrieben durch Führungskräfte oder einzelne engagierte Mitarbeitende. Best Practices umfassen die strukturierte Verarbeitung heterogener Rechnungsformate, die automatisierte Zuordnung von Abfallschlüsselnummern, intelligentes Maschinenmonitoring sowie die KI-gestützte Sortierung komplexer Stoffströme und die Erkennung kritischer Störstoffe wie Akkus. Als Erfolgsfaktoren für die KI-Implementierung wurden die feste technische Verankerung, gutes Datenmanagement, das Aufbrechen von Datensilos, einheitliche Standards sowie die Qualifizierung und Einbindung der Mitarbeitenden benannt. Das Haupthemmnis bei der KI-Nutzung ist das (noch) fehlende Know-how der Mitarbeitenden. 

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Die abschließende Paneldiskussion beschrieb den Status quo bei der KI- und datenbasierten Optimierung von Wertstoffströmen als fragmentiert: Es gibt einige große Akteure, die bereits sehr digital aufgestellt sind, jedoch zugleich viele, die erst noch am Anfang stehen. Entsprechend seien viele Unternehmen in „Lauerstellung" und beobachteten die Entwicklungen abwartend, während andere bereits eigene Digitalisierungsstrukturen aufgebaut hätten. Das vollständig durchdigitalisierte Entsorgungsunternehmen ist indes noch weit entfernt; Netzwerke und greifbare Erfolgsbeispiele sind hier entscheidend, um alle Agierenden mitzunehmen. KI sei nicht „Allheilelement“, sondern ergänzende Technologie neben klassischer Digitalisierung. Die Stammdatenqualität ist ein langjähriges Branchenproblem, bei dem KI als Treiber zur Lösung wirken kann. Apps für Mitarbeitende wurden in diesem Zusammenhang als konkretes Beispiel genannt, wie Digitalisierung – mit anfänglicher Skepsis – eingeführt und schließlich begeistert genutzt wird. Die entscheidende Brücke ist, Mitarbeitende früh und aktiv einzubeziehen.

 

Die Frage, ob die Entsorgungswirtschaft primär Datenlieferant oder Datennutzer ist, wurde klar beantwortet: sie ist beides. Als Nutzer von DPP-Daten profitieren Entsorgungsunternehmen von Informationen über Materialzusammensetzungen und Schadstoffe; als Herstellunternehmen von Rezyklaten werden sie selbst zu Datenlieferanten. Mehr Transparenz über Stoffströme und Materialqualitäten würde es ermöglichen, Anlagen effizienter zu betreiben und hochwertigere Sekundärrohstoffe herzustellen. Das eigentliche Hemmnis liege allerdings weniger am Mangel an Daten als vielmehr an der fehlenden Nachfrage nach Sekundärrohstoffen. Design for Recycling und Ökodesign wurden in diesem Zusammenhang als wesentliche Hebel benannt: Nicht nur die Entsorgungsbranche solle in die Pflicht genommen werden, auch Hersteller trügen Verantwortung dafür, Produkte so zu gestalten, dass sie leichter recycelt werden können. Die Lösung komplexer Trennprobleme – wie etwa bei mehrschichtigen Kunststoffverbunden – liegt somit nicht allein in der Technologie, sondern auch im Design der Produkte selbst.

 

Kernaussagen des Panels:

  • Mitarbeitende sind der Schlüssel: KI-Integration gelingt, wenn Ängste ernst genommen und Kompetenzen auf allen Ebenen – von der Führungsebene bis zur gewerblichen Fachkraft – gezielt aufgebaut werden.
  • Die Entsorgungswirtschaft ist Datenlieferant und Datennutzer zugleich: Die fehlende Nachfrage nach Sekundärrohstoffen bleibt indes das größte strukturelle Hemmnis.
  • Design for Recycling und Ökodesign sind essenziell: Hersteller und Entsorger müssen gemeinsam denken. Technologie allein gleicht schlecht gestaltete Produkte nicht aus.

Abschluss

Das Schlusswort von Sabine Huck aus dem Referat C III 3 des BMUKN brachte die zentrale Botschaft des Tages auf den Punkt: Datenökosysteme sind eine wesentliche Voraussetzung für die digitale Circular Economy, aber sie allein reichen nicht. Die Menschen, die die Transformation umsetzen sollen, müssen mitgenommen, befähigt und unterstützt werden: als Mitarbeitende in Unternehmen, als Konsumentinnen und Konsumenten ebenso wie als Bürgerinnen und Bürger.

© VDI ZRE/Bernd Lammel
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) wurde als zentraler politischer Rahmen für die Umsetzung bekräftigt. Die Digitalisierungsinitiative sei ein wichtiger Baustein, um Digitalisierung gezielt für die Circular Economy voranzubringen, jedoch mit dem klaren Ziel, Rebound-Effekte zu vermeiden und einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Technologien sicherzustellen. Der digitale Produktpass (DPP) wurde als weiteres wichtiges Vehikel für die Verzahnung von Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung bestätigt; unerlässlich sind in diesem Zusammenhang  internationale Standardisierungsbestrebungen. KI und Digitalisierung erweisen sich nur dann als wirkungsvoll, wenn die zugrunde liegenden Daten kompatibel und interoperabel sind. Hier sei eine Plattform zum weiteren Austausch untereinander in Vorbereitung.

Der Mittelstand wurde abschließend als Motor und Rückgrat der deutschen Wirtschaft gewürdigt. Die auf der Konferenz vorgestellten Praxisbeispiele aus mittelständischen Unternehmen haben gezeigt, wie innovativ und handlungsfähig KMU sind. Die Bundesregierung brauche diese Akteure weiterhin als aktive Partner bei der Umsetzung der NKWS. Die Einladung an alle Teilnehmenden lautete, sich auch in der Umsetzungsphase der NKWS aktiv einzubringen.

Die Konferenz des Netzwerks Ressourceneffizienz 2026 hat gezeigt: Digitalisierung und Circular Economy sind keine parallelen, sondern zutiefst miteinander verwobene und vernetzte Transformationsagenden. 

Der entscheidende Hebel für die Transformation liegt bei den Menschen, den Netzwerken und dem Mut, ins Tun zu kommen.

Impressionen und Rückblicke: Die NeRess-Konferenzen der vergangenen Jahre

Das Foto zeigt das Grußwort der Umweltministerin Steffi Lemke.
© Leo Seidel

29. Netzwerkkonferenz

Die Transformation gestalten – Instrumente und Hebel zur Umsetzung einer wettbewerbsfähigen Kreislaufwirtschaft
Datum: 12.11.2024
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© Leo Seidel

28. Netzwerkkonferenz

Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen
Ort: Präsenzveranstaltung (hybrid)
Datum: 03.06.2024
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Kontakt

Roxana Nasrollahi-Kermani

Geschäftsstelle NeRess
c/o VDI Zentrum Ressourceneffizienz
Bülowstr. 78, 10783 Berlin
E-Mail: geschaeftsstelle@neress.de

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