Nachbericht RE vor Ort: Mainz
Bilder: Kerstin Stolberg

RE vor Ort: Weiden, 21.11.2014

Nachbericht:

„Ressourceneffizienz – neu denken und neu handeln“

Eine Veranstaltung zusammen mit dem RKW Bayern e.V. im Rahmen von RE vor Ort am 21. November 2014 in Weiden / Oberpfalz

Das Netzwerk Ressourceneffizienz und der RKW Bayern e.V. führten diese erste gemeinsame Veranstaltung zu den großen wirtschaftlichen Potenzialen der Ressourceneffizienz durch. Die mit 32 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung wurde von Frau Dr. Monika Griefahn, Vorsitzende Cradle to Cradle - Wiege zur Wiege e.V., sehr kompetent moderiert. Gemeinsam mit Unternehmern, Wissenschaftlern und Technologie-Experten zeigte diese Veranstaltung in der Max-Reger-Halle Einsparpotenziale durch effizientere Produktionsprozesse und Materialeinsätze auf.

Werner Maass, Mitglied der Geschäftsleitung des VDI Zentrums für Ressourceneffizienz in Berlin, berichtete anhand anschaulicher Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen über die Vorteile einer material- und energieeffizienten Produktion, die die Kosten erheblich reduzieren und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. So ermöglicht die hohe Materialeffizienz in der Produktion von Retrofit LED Lampen die Herstellung dieser LED Lampen in Deutschland. Der Aufbau dieser materialeffizienten Produktion wurde mit Mitteln des Umweltinnovationsprogramms (www.umweltinnovationsprogramm.de) des Bundesumweltamtes (UBA) wegen der nachgewiesenen Einsparung von klimaschädlichen Gasen unterstützt. Ein weiterer Vorteil dieser LED-Glühbirnen ist deren gute Recyclefähigkeit, da nur sechs Komponenten zusammengesteckt werden; es werden keine geklebten Verbundmaterialien herkömmlicher LED Glühbirnen verwendet. Das breite Angebot des VDI ZRE (www.ressource-deutschland.de) unterstützt die Branchen des verarbeitenden Gewerbes bei der Umsetzung von Ressourceneffizienz in den Unternehmen. Erfolgreich abgeschlossene Projekte zeigen, dass sich die dafür notwendigen Investitionen schon nach weniger als 12 Monaten refinanzieren.

Michael Korndörfer von der CERC Umweltberatung wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die klimaneutrale Verwendung von Holz nur durch langjährige Kaskadennutzung gewährleistet wird. Kaskadennutzung bedeutet, dass vor der thermischen Verwertung eine stoffliche Nutzung von Holz steht. Das heißt auch, dass Holz mindestens so lange genutzt werden sollte wie das Wachstum des Baumes dauert. Eine sofortige thermische Verwertung von Holz in Form von Pellets für Heizungsanlagen steht dem entgegen.

Michael Spitzbarth, Gründer und CEO der „bleed clothing gmbh“, berichtete über seine Kollektion von Outdoor- und Freizeitkleidung, die in einer fairen Produktion aus biologischer Baumwolle und dazu noch vegan hergestellt wird. Statt Leder und Fell setzt der Designer Kork ein.

Thomas von Wittern von der regain systems GmbH wies auf die entscheidende Rolle von Mittelstandsunternehmen für den Aufbau neuer Rohstoffsysteme hin. Dies erläuterte Herr von Wittern anhand seines zyklischen Rohstoffkonzeptes von Altreifen für die Industrie. Dieses Konzept beruht darauf, dass Partner mit hochwertigen Sekundärrohstoffen beliefert werden, die dem Entsorgungsprozess entnommen und technisch aufgewertet werden. Dabei ist regain systems den Grundsätzen technischer Stoffkreisläufe verpflichtet.

Stefan Seidel von "Puma SE" berichtete, wie ein Zulieferer für Puma durch die Umstellung auf LED-Beleuchtung mit einer einmaligen Investitionssumme von 50 000 Euro jährlich 34 000 Euro Energiekosten einsparte. Durch die innerbetriebliche Schulung von 300 Mitarbeitern zum Thema Ressourceneffizienz konnten in einem anderen asiatischen Zulieferunternehmen innerhalb von eineinhalb Jahren 400 000 Dollar eingespart werden.

Konrad Müller vom RKW Sachsen legte in seinem Vortrag dar, wie ein Hersteller von Blechdosen durch organisatorische Umstellungen des automatisierten Produktionsprozesses jährlich 602 000 Euro im Materialverbrauch einsparen konnte. Dazu waren keine umfangreiche Neuinvestitionen notwendig, sondern nur eine genaue Analyse der Prozesse mit Hilfe externer Berater im Bereich Ressourceneffizienz. In diesem Projekt wurde deutlich, dass Betriebsblindheit Informationsdefizite schafft und eine effizientere Produktion verhindert.

Herr Wissinger von RKW Bayern stellte das große Einsparpotenzial bei den Materialkosten im verarbeitenden Gewerbe dar; auf die Materialkosten entfallen im Durchschnitt 45 Prozent der Gesamtkosten eines Unternehmens. Die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea) beziffert aufgrund von über 1 000 Projektberichten das jährliche Einsparpotenzial auf rund 200 000 Euro. Auch bei der Entwicklung komplett recyclingfähiger Produkte sind noch viele Innovationen notwendig. Dieser Punkt wurde von Herrn Seidel (Puma SE) bestätigt. Er verwies darauf, dass Puma die Produktion eines Sportschuhes, der eingeschränkt recycelfähig war, aufgrund dieser Tatsache eingestellt hat.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde auf die zahlreichen Hilfestellungen für Betriebe hingewiesen. "Technokredit und Regionalkredit" heißen die Finanzierungshilfen der Förderbank Bayern (LfA), dem Landesförderinstitut des Freistaats Bayern. Mit den Bundesprogrammen "go-innovativ" und "go-effizient" können Beratertage finanziert werden - zum Beispiel für sogenannte Vertiefungsberatungen bis maximal 80 000 Euro. Das Angebot des RKW steht ebenso zur Verfügung, wie das der IHK und HWK. In der weiteren Diskussion der Tagung wurde eine Ausdehnung dieses Angebots vor allem durch die Kammern angeregt und die Fortbildungsveranstaltungen des VDI ZRE empfohlen. Es wurde zudem darauf verwiesen, dass nicht bei allen Kreditinstituten ausreichend Informationen über Förderprogramme vorlägen.